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Die schönste Zeit des Lebens

Bild: elijahssong / Pixabay

Die Kindheit ist eine Zeit, um wunschlos glücklich zu sein. So endet eine Werbung für den Kinderriegel.

Woher stammt eigentlich dieser Anspruch, dass Kinder in einem ewigen Glücklichkeitsflash herumwuseln? Das ist doch nur Erwachsenennostalgie, im Rückblick entstanden, sozusagen die Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies.

Denn Kinder sind mitnichten ständig glücklich. Einverstanden, sie leben in einem anderen Raum-Zeit-Kontinuum und sie tragen keine Verantwortung. Trotzdem erleben sie zahlreiche Frustrationen, Niederlagen, negative Emotionen. Niemand fühlt so stark, wie ein Kind und ich behaupte: Keiner leidet so stark, wie ein leidendes Kind. Beim jetzt fünfjährigen Kurzen gibt es immer noch nur Vollgas.

Wenn er fertig gefühlt hat, vergisst er relativ schnell – aber während er fühlt, gibt es nichts mehr anderes!

Ich glaube nicht, dass die Kindheit die glücklichere zeit ist – man vergisst das Negative nur sehr schnell. Vor allem dann, wenn da Erwachsene sind, die die Gefühle des Kindes ernst nehmen und sich nicht darüber lustig machen. Auch dann nicht, wenn der Anlass auf den ersten Blick lächerlich scheint. Denn die Gefühle sind echt und Kinder fühlen echt tief.

Vollkasko-Kindheit: Elternangst vs. Kinderfreiheit?

Wer hoch steigt kann auch tief fallen
Bildquelle: cocoparisienne / Pixabay

Verschiedene Anlässe haben mich in den letzten Tagen nachdenklich gemacht. Unser Sohn war schon immer recht risikofreudig (solange keine anderen Kinder dabei waren) und je älter er wird, desto lieber probiert er Dinge aus, die nach Einschätzung anderer “böse enden” könnten. Dies ist das Eine. Zum Anderen hatte ich mehrere Diskussionen mit Eltern, die ihren Kindern nichts mehr zutrauten. Und wenn ich schreibe “nichts mehr”, dann meine ich wirklich die fundamentalsten Fähigkeiten, die ein menschliches Wesen haben kann: Unter Anderem das selbständige Atmen.

Dabei geht es nicht etwa um kranke Kinder, sondern um gesunde Babys, deren Eltern sich technische Geräte besorgen, um die Atmung und Kindesbewegungen vom ersten Lebenstag an zu überwachen. Wie soll das weiter gehen, frage ich mich. Werden diese Kinder jemals einen Schritt alleine machen dürfen, werden sie jemals die Erfahrung einer gefährlichen Situation machen dürfen, den Triumph erleben, eine solche Situation selbständig gemeistert zu haben? Werden sie jemals ein gesundes Selbstvertrauen haben können, wenn ihre wichtigsten Bezugspersonen ihnen nicht mal die elementarsten, biologischen Fähigkeiten zutrauen?

Ich weiss wie sich die Angst anfühlt, dass das eigene Kind sterben könnte. Ich musste es selber erleben. In diesem Moment und auch in den darauf folgenden Wochen hätte ich meinen Kleinen am liebsten in Watte gepackt, im Spital gelassen, wo er 24/24 Stunden an 7/7 Tagen überwacht worden wäre. Im zahlreichen Gesprächen mit ÄrztInnen, einem Psychologen, meinem Partner und anderen Vertrauenspersonen wurde mir aber klar, dass man damit seinem Kind nichts Gutes tut. Nicht das Wohl des Kindes wäre nämlich im Mittelpunkt gestanden, sondern meine eigene Angst. Also habe ich  mich daran gemacht, an meinen Ängsten zu arbeiten. Denn, so wurde mir bewusst: Solange ich das Problem beim Kind sehe, werde ich die Angst nicht los. Meine Lust, ein Leben lang mich um mein Kind fürchten zu müssen, hielt sich eindeutig in Grenzen. Die Angst war überhaupt nicht das Problem des Kindes, sondern alleine Meins. Also lag es auch in meiner Verantwortung, etwas dagegen zu unternehmen.

Als Eltern sind wir verpflichtet, unseren Kindern beizubringen, Gefahrensituationen selber zu meistern und ihnen darin zu vertrauen, dass sie das auch können. Wir haben nicht das Recht, unsere Kinder “nur zu ihrer eigenen Sicherheit” in ihrer Freiheit zu beschränken und quasi “in Schutzhaft” zu nehmen.

Oder was meinst Du? Wie fest dürfen wir unsere Kinder einschränken, um unser eigenes Sicherheitsbedürfnis zu befriedigen? Und tun wir unseren Kindern damit wirklich etwas Gutes oder erreichen wir etwa gerade das Gegenteil, weil sie auf diesen Weise den Umgang mit der Gefahr gar nicht mehr üben können?